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Sonntag, 12. Februar 2015


Peggy Pegida...


Die Montagsdemonstrationen der letzten Wochen und Monate haben auch AustreliaS beschäftigt. Spezielle Anfragen dazu habe ich keine erhalten, aber eine Geschichte, die mir zum Thema Fremdenhass und Ausgrenzung zugefallen ist, soll hier einen würdigen Platz finden...


Es war ein eiskalter Winterabend gewesen. Dennoch hatte sich Peggy unter die Montagsspaziergänger, wie sie sich selbst nannten, gemischt und stand nun schon beinahe zwei Stunden inmitten einer immensen Menschenmenge und fror. Ja, sie fror. Nicht nur wegen des eisigen Windes, der beharrlich aus dem Nordosten wehte und ihre Wangen erstarren ließ. Nein, es war auch die Angst, die sie mit so vielen anderen hierher getrieben hatte, um sich gegen die Vereinnahmung ihres Landes, ihrer Heimat zur Wehr zu setzen. Sie wollte nicht tatenlos zusehen, wie sich dieser Feind Deutschlands bemächtigte, in dem sie lebte und das sie liebte. Nein, so durfte es auf keinen Fall enden. Dem Vordringen musste man Einhalt gebieten. Dafür hatte sie auch an diesem Abend hier in der Kälte gestanden, mit den vielen tausend Gleichgesinnten ihren Unwillen gegenüber dem Einzug von Gewalt und Unfreiheit allein mit ihrer Anwesenheit manifestiert und damit die Medien auf den Plan gerufen.
Ihre Freunde waren mehrheitlich ihrer Meinung, dass man gegen den Islam in Deutschland zu Felde ziehen müsse. Aber Peggy allein hatte sich auf den Weg in die Stadt gemacht, um ihrer Angst ein Gesicht zu verleihen.
So war es über mehrere Wochen gewesen und Peggy jedes mal als Montagsspaziergängerin dabei. Und es waren immer mehr geworden. Sie alle fühlten sich bestätigt und getragen von einer anwachsenden Woge des Mitgefühls und der Solidarität für die eigene Verunsicherung.

Dann war etwas Schockierendes geschehen, das Peggys Ängste um ein Vielfaches ansteigen ließ. In Paris drangen ein paar wenige Islamisten in die Redaktionsräume eines Satire-Magazins ein und töteten gezielt zwölf Menschen. Zwanzig wurden bei diesem grausamen Akt der Barbarei verletzt. Aber damit nicht genug. An den folgenden beiden Tagen starben noch einmal Menschen durch die Hände der Attentäter. Dann wurden sie selbst von der Polizei getötet. Als Märtyrer würden sie in ihr Himmelreich aufsteigen, nachdem sie ihr irdisches Werk vollbracht hatten.
Peggy war entsetzt über die nicht enden wollende Berichterstattung in den Medien, die Aufzählung der begangenen Gräueltaten, die ganz Frankreich und die Menschen hier und natürlich auch sie in Atem hielten. Es folgte ein Sonntag der Trauer und des Mitgefühls für die Opfer dieser Gewalt und die Manifestation der Millionen Franzosen, ihre Freiheit niemals dem Terror zu unterwerfen. Die Zeichen von Solidarität mit den Betroffenen waren unübersehbar und wurden in zahlreichen Städten Europas dankbar übernommen und weitergetragen.
Bei Peggy lösten die Bilder aus Paris gemischte Gefühle aus. Einerseits war da ihr Mitgefühl mit diesem Land, in dem auch Muslime lebten, auf der anderen Seite schürte genau dieser Gedanke ihre Ängste. Sie spazierte auch am nächsten Montag wieder mit. Zum Zeichen der Trauer hatte sie eine schwarze Armbinde getragen, aber diese Empathie für die Opfer konnte kaum die Stimmen aus ihrem eigenen Inneren übertönen, die nach Erlösung aus diesem unerträglichen Zustand schrien. Peggy hörte sich plötzlich selbst die Parolen rufen, die sonst immer nur die anderen skandierten. Plötzlich war sie eine von denen, die sie eigentlich immer zu sein abgelehnt hatte. Peggy erschrak, und ihr Mund verstummte. Unsicher schaute sie sich um. Vielleicht hatte sie jemand erkannt? Wie peinlich ihr das in diesem Moment war. Peggy suchte einen Weg, um sich aus dieser Menschenmenge zu lösen, die an diesem Montag noch sehr viel größer zu sein schien als in den Wochen zuvor. Es dauerte einige Minuten, bis Peggy den Rand der Spaziergänger vor sich sah, der sie wie ein Ring einschloss. Und noch eine weitere Minute, bis sie ihn durchbrechen konnte.
Peggy atmete tief durch. Was war in sie gefahren?
Da entdeckte sie eine andere Gruppe. Die Transparente, die über die Köpfen der Menschen hinausragten, waren anderes als die der Gruppe, aus der sie soeben herausgetreten war. Diese Leute reklamierten eine bunte Welt für sich und hießen alle Charlie.
Peggy warf noch einen flüchtigen Blick zurück zu den Montagsspaziergängern, die sich zu Tausenden auf dem Platz drängten und ihre unüberhörbare Ablehnung gegenüber dem Fremdartigen demonstrierten. Dann eilte sie durch die freie Gasse zwischen den beiden Gruppen und strebte der Elbe zu. Hier war es dunkel und ruhig, weit genug entfernt von dem Platz der Manifestation einer neuen, feindseligen Weltordnung, die ihre Vision aus dem Hass gegen und der Vertreibung des Andersartigen speiste.
Peggy schüttelte ungläubig den Kopf. Was war in sie gefahren? Wie konnte sie nur? Rechtfertigten ihre Ängste denn wirklich einen solchen Aufmarsch, dem sich Montag für Montag jetzt immer mehr Widerstand entgegenstellte?

Das war inzwischen schon ein paar Tage her. Peggy hatte sich zurückgezogen und beschlossen, sich ihren Ängsten zu widmen, sie weiterhin Ernst zu nehmen, aber in aller Stille. Heute Morgen war sie aus einem Traum aufgewacht, wie sie das in dieser Form noch nie erlebt hatte. Sie erkannte ihre Angst als ein kleines Mädchen, das vor einem großen Tor stand und weinte. Es wusste, dass seine Mutter da hinein gegangen war. Das Kind pochte an die riesige Tür, und die sprang einen Spalt weit auf. Die Angst der Kleinen erlaubte sich einen Blick hinein, aber da war nur Dunkel. Das machte der Angst natürlich noch mehr Angst. In seiner Verzweiflung weinte das Mädchen bitterlich, aber es blieb unerhört, bis eine unheimliche Gestalt kam und das Kind in einer fremden Sprache anredete. Es war eine Frau, eingehüllt in einen schwarzen Umhang, aus dem am Kopf zwei dunkle Augen herausschauten. Das Kind zog sich verängstigt ein paar Schritte zurück und verstummte. Die Stimme klang ruhig und ging behutsam auf das kleine Mädchen ein, das jetzt wimmerte und sich in der nächstbesten Ecke zusammengekauert hatte.
So verging eine ganze Weile, ohne dass die Frau das Kind überzeugen konnte oder das Kind sich aus seiner Position heraus traute. Schließlich gab die schwarze Gestalt auf und verschwand wieder hinter den Mauern. Das Tor ließ sie einen Spalt weit geöffnet. Das Kind beruhigte sich langsam. Die Gefahr schien vorüber zu sein. Es wagte sich erneut bis zur Tür vor. Dahinter wartete eine furchteinflößende Dunkelheit, so weit es sehen konnte. Aber ganz am Ende des scheinbar endlosen Korridors leuchtete ein heller Punkt, als ob dort ein Licht brannte. Doch noch immer war die Angst vor der Finsternis größer als die Neugier für das Licht. Und so verharrte das Kind beinahe verzweifelt an der Tür und vergewisserte sich in immer kürzeren Abständen, ob sich im Innern des Gemäuers nicht vielleicht etwas zu seinen Gunsten verändert hätte. Dass seine Ängste weniger würden und es das Wagnis eingehen könnte, die Dunkelheit zu durchqueren, ohne sein junges Leben opfern zu müssen. Und während das kleine Mädchen noch auf ein Wunder hoffte, tauchte wieder diese schwarze Gestalt vor ihm auf. Diesmal trug sie nur ein Tuch um den Kopf geschlungen. Die Haut darunter war sehr dunkel. Wieder sprach die Frau das Kind an. Und auch diesmal verweigerte es sich. So ging das noch eine ganze Weile. Irgendwann bekam das Kind Hunger und Durst, aber es wagte noch immer nicht den Weg allein durch das Dunkel des Korridors, auch wenn am Ende das Licht wartete. Erst als die schwarze Frau ein drittes Mal an die Tür trat, war das Kind bereit, ihr hinein zu folgen.
Das hätte es besser nicht getan, denn sofort umhüllte es diese gefürchtete Dunkelheit, und neue Ängste stiegen in ihm auf. Es blickte sich verzweifelt um. Noch war es möglich, zurück zu laufen, die Tür hinter sich zu schließen und diese Finsternis auszusperren. Für immer. Aber die Frau, deren schwarze Haut hier drinnen niemand sah, ermutigte das Mädchen mit ruhiger Stimme, weiterzugehen. Und so dauerte es zwar, bis es die Dunkelheit hinter sich lassen konnte, aber dieser helle, ja strahlende Punkt wuchs mit jedem seiner kurzen Schritt. Das Licht immer im Blick, verstummte die Angst des Kindes mehr und mehr. Neugier und Vertrauen rückten nach, wo die Furcht den Raum besetzt gehalten hatte.
Endlich erreichte das kleine Mädchen die Stelle, wo das Licht alles andere überstrahlte, alles Dunkle aus seinem Umfeld verbannt hatte. Hier pulsierte das Leben, und das kleine Mädchen erkannte in dieser wunderbaren Helligkeit die kleine Peggy, die bei ihrem mutigen Gang durch die Dunkelheit gewachsen zu sein schien. Peggy kam es so vor, als sein sie jetzt größer als zuvor. Sie lächelte die dunkelhäutige Frau, die auf dem Weg zu diesem Lichthof ihre Kopfbedeckung abgenommen hatte, dankbar an und entdeckte in einer Ecke des Gartens ihre Mutter, die sie beinahe verloren geglaubt hatte. Sie rannte aufgeregt zu ihr hin und ließ sich von ihr liebevoll in die Arme schließen.

Das war das Ende von Peggys Traum gewesen, aber er hing ihr noch immer nach. Sie saß an ihrem Arbeitsplatz und war unkonzentriert wie lange nicht mehr. Was wollte ihr dieser Traum sagen? Peggy war gespannt, welche Antwort sie auf ihre Frage bekommen würde. Und sie war sicher, das würde sie. Die Angst in ihrem Herzen schien sich gelöst zu haben und war einer Leichtigkeit gewichen, die sie seit vielen Jahren so sehr vermisst hatte. Weg war auch dieses Schreckgespenst von der Überfremdung im eigenen Land und der heimlich empfundene Hass gegenüber dem, was sie nicht verstehen konnte.

Peggy wollte die nächsten Montagsspaziergänge abwarten, um sich ganz sicher sein zu können, dass sie die Dunkelheit aus ihrem Traum tatsächlich überwunden und aus ihrem Herzen erfolgreich vertrieben hatte. Aber sie war sich schon jetzt sicher, dass sie selbst keine Montagsspaziergängerin mehr sein würde.


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